Seneschall und Lebemann
Als fünftgeborener Sohn eines alten oberbayrischen Adelsgeschlechtes und ohne Aussicht auf Erbfolge wurde ich schon in frühen Jahren von meinem Vater in die Knappschaft gegeben. Aufgrund meines Wissensdurstes und meines Interesses an der Wappenkunde der Adelshäuser begann ich neben meiner Knappschaft mit dem Studium der Wappenkunde der Adelshäuser und dem Studium der Philosophie. Schnell entdeckte ich auch meine Liebe zum Bogenschießen, und da ich in allem nicht unbegabt war, wurde ich von meinen Herren auch stets gefördert. Allerdings brachte mich meine Liebe zu Weib und Wein immer wieder in Schwierigkeiten, was des Öfteren dazu führte das ich in eine weitere Knappschaft gegeben wurde. So zog also viel Zeit ins Land, bis ich endlich den Status des Edelknappen erhielt. Nachdem ich wieder einmal ein Herrenhaus wegen meines recht ungestümen Lebenswandels verlassen musste, schickte mich mein Vater in das ferne Italien, genauer an den Hof des Adelsgeschlechts der Arco. Der stolze Friedrich von Arco, ein entfernter Verwandter meines Vaters, sollte mich nun also mit strenger Hand auf den rechtschaffenden Weg führen. Die erste Zeit war ich für die niederen Dienste in der Burgwache verantwortlich. Trotz der zahlreichen Erniedrigungen schlug ich mich tapfer, lernte schnell, und irgendwann dann ernannte mich Friedrich zur Leibwache seines 11 jährigen Sohnes. Diese Entscheidung sollte mein Leben schlagartig ändern. Während einer Jagd kam es zu einem folgenschweren Zwischenfall, der Stand und Ansehen Martin Johann Gottfried Siegert III., also meine Person, schlagartig ändern sollte. Bei der Suche nach einem angeschossenen Eber ging der Sohn Friedrichs zu ungestüm voran und das waidwunde Tier stürzte sich aus einem Gebüsch auf den Jungen. Nur mein beherzter Schuss mit dem Langbogen rettete dem jungen Herren das Leben. Aus Dankbarkeit für die Heldentat und auf Grund meines Wissens über die Adelsgeschlechter verfasste Friedrich von Arco einen Brief an den Erzbischof von Augsburg und empfahl meine Person als Nachfolger des unlängst verstorbenen Seneschalls des Erzbischofs. Der Erzbischof folgte seiner Empfehlung und nahm mich kurz darauf in seine Dienste. Bevor ich allerdings die Güter Friedrichs verließ, um meinen neuen Dienst anzutreten, verlieh dieser mir noch das Recht, den Bogen der Arcos in meine Waffenfarben aufzunehmen, und ich trage ihn noch heute mit Stolz. Nach einer mehrjährigen Zeit im Dienste des Erzbischofs empfing ich dann endlich die Schwertleite und verließ die Güter zu Augsburg. Seit dieser Zeit ziehe ich umher in den Adelshäusern und biete mein Wissen und meine Dienste feil, notfalls auch meinen Bogen. Doch leider ist mir die Liebe zu Weib und Wein nicht verloren gegangen, was mich auch dieser Tage immer wieder in Schwierigkeiten bringt.

